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Mean Shadow of A God

Eine Gemeinschaftsarbeit von Christian Heilig und Esther Horn in der Galerie DAC de Simoni Arte Contemoranea, Genua / a site specific installation by Christian Heilig und Esther Horn in the DAC gallery, genoa


11.12.2009 bis 30.01.2010

http://www.galleriadac.com/home.html

Kuratiert von Valeria de Simoni / curated by Valeria de Simoni

Text von Massimo Palazzi / critics by Massimo Palazzi

(english version below)






mean shadow of a god, Christian Heilig



mean shadow of a god, Christian Heilig, Esther Horn



mean shadow of a god, Christian Heilig, Esther Horn




mean shadow of a god, Esther Horn




Mean Shadow of a God

Eine besondere Form des schöpferischen Prozesses, der immaterielle Elemente in eigentliche Objekte transformiert, treibt seinen sinnstiftenden Spuk in dem gegenwärtigen Zustand der bildenden Kunst. Angesichts der Leichtigkeit, mit der Bilder heute produziert werden können, sagt uns diese Tendenz etwas von der Widerständigkeit sinnlicher Erfahrung gegenüber bloßer Erfindung und kann als symptomatische Reaktion sowie als notwendige Konsequenz auf die Ausbreitung digitaler, gewichtloser Einheiten aufgefasst werden.
Trotz ihrer Unterschiedlichkeit gehören die Arbeiten von Christian Heilig und Esther Horn zu dieser Strömung und darin offenbart sich ihre Identität.
In der Vorgehensweise beider erzeugen visuellen Informationen eine Erfahrung, die man mit dem Begriff haptisch bezeichnen könnte, verstanden als aktiv erfühlte Auffassung von Raum als Größe, Kontur und Oberflächentextur und die Selbstwahrnehmung in dieser naturgesetzlichen Bedingtheit von Außenwelt.
Die Analyse ihrer Arbeit bringt uns zurück zu der vergangenen Dekade, in der die Ausbreitung von Pixel- und Vektorgrafiken eine Ästhetik auslöste, die ihre Grundlage in der schnell wiedererkennbaren, sharp-edge Form und der folgerichtigen Gegenbewegung der von try-and-error, gestisch geprägter Zeichnung, des `zeichenhaft-ungezähmten Flecks´ hatte, die schließlich zu der unerwarteten Wiedergeburt scheinbar traditioneller Abbildungspraxis der Gegenwart führte.
Dieselbe Verbindung von Technik und Handwerk – man könnte auch sagen: von Abstraktion und Einfühlung – ist in der Arbeit beider Künstler mit einer auffälligen expressiven Kraft ausgestattet, sie entstammt auch der Zeichnung und ihrer Schlüsselrolle in der Be-Zeichnung des Raums.

Christian Heilig verwandelt Linien und Formen in plastische Elemente, gerade so, also ob er Vektorbahnen benutzt, die vergrößert und verkürzt werden können, ganz spielerisch, und nie ihren raumgebenden Duktus verlieren. In einer großen Materialfülle realisieren sie sich als sofort erfahrbar und wirklich, in der Zeichnung, wie in einer dreidimensionalen Installation. Den Prozess widerspiegelnd, der virtuelle Objekte in greifbare Realität überführt, dringen  Bahnen in Form von hölzernen Strahlen in den Raum ein, Vektorformen, gesägt aus MDF, Styropor oder Rigips; Mesh (Netze) aus dreidimensionalen Grafiken werden Skulptur und Architektur. So entstehen mentale Landschaften, die, in wechselseitiger Beeinflussung mit ihrer Umgebung, spontan Formen keimen lassen, die den Betrachter zu immer neuen Environments und Raumerleben führen.

Auch Esther Horn erschafft imaginäre Landschaft. Als Malerin erzeugt sie mit gleißenden Farbfeldern Licht auf dunklen Malgründen, und so bilden diese lichte Bühnen für ihre nächtlichen Traumbilder. Auch wenn viele ihrer Bilder an filmstills geheimnisvoller roadmovies anzuknüpfen scheinen, tritt die Auseinandersetzung ihrer Malerei mit Filmbildern hinter der ursprünglich gewählten Thematik zurück.
In der Tat, der Kinosaal selbst ist der Ort, wo die Leinwand dem dunklen Raum der Zuschauer begegnet und gerade die Unterscheidung zwischen optischem und mehrdimensionalem Erleben deutlich sichtbar macht. Und schon einige frühere Arbeiten von Esther Horn, die Landschaften im Innern eines Campingzelts darstellen, bilden eine Metapher für die Verbindung von Leinwand als Ort für Vorstellung, Bild und Raum zugleich; dieser Bezug brachte auch ihre raumbezogenen Wandarbeiten hervor, die in der Kooperation mit Christian Heiligs Installation zum Environment werden.

Mean Shadow of a God, ein Projekt, welches die Künstler eigens für die DAC Galerie entworfen haben, ist ein geradezu sinnbildliche Veranschaulichung des expressiven Potentials, das in der Bewegung von immateriellen Vorstellungen in die Realität (und zurück) liegt und der damit verbundenen Kollision von optischem und haptischem Raum. Licht ist hier selbst Darstellungsform, das Mittel, das aus Formen Trugbilder macht, die Projektion trifft auf die begrenzenden Wände ihres Ortes, erfährt Verzerrung und Brechung.
Die dramatische Kraft dieser aus der Vorstellungskraft in die Gegenwart übertragenen Bilder ruft die scharfkantig geformte Raumwelt der Maler Walter Reimann and Walter Röhrig in Erinnerung, mit der sie den berühmten expressionistischen Films Das Kabinett des Doktor Caligari (R. Wiene, 1920) ausstatteten .

Die beiden Maler malten für die Szenenbilder Licht- und Schattenformen direkt auf die Wände der Requisiten.
Wenn es nun Sinn macht, über die Phänomenologie von Stil im Sinne von Ausdrucksweise zu sprechen, wie es zu dieser Zeit durchaus der Fall war, stellt die Arbeit von Christian Heilig und Esther Horn ein beispielhaftes Zeugnis unserer Zeit in einem hypothetischen Katalog der Kunstformen dar.

Massimo Palazzi





Mean Shadow of a God

A particular kind of creative process transforming immaterial elements into actual objects haunts the current visual arts scenario. Given the ease with which images can be produced today, this trend tells about the persistence of sensory experience against the mere vision and can be considered as a symptomatic reaction to the spread of digital objects without weight, but also its necessary consequence. In spite of their difference, the works of Christian Heilig and Esther Horn fall into this trend and within it they reveal their identity. In both cases, the visual data generates an experience that could be defined by the term haptic, understood as a tactile apprehension of space and self-perception of the body in relation to its physical surroundings. The analysis of their work take us back to the past decade, when the spread of vector graphics caused the emergence of an aesthetic based on sharp edged shapes and the consequent rediscovery of all those human error, low-fi gesture drawings and dripping signs that eventually led to the unexpected rebirth of traditional drawing practice in contemporary art. The same combination of technology and handcraft – of abstraction and empathy, I would say – endows the work of the two artists with a peculiar expressive power, originated by drawing and its key role in the actualization of the images in space.

Christian Heilig turns lines and shapes into plastic elements by using them just like they were vector paths that can be enlarged and reduced without losing their own characteristics and easily become real and tangible in a wide range of materials. Triggered by the passage that turns virtual objects into actual reality, path lines invade the space in form of spruce beams, vector shapes are cut from MDF, polystyrene or plasterboard, mesh of three-dimensional graphics become sculpture and architecture. The result is a materialization of mental landscapes interacting with the venue in a spontaneous germination of forms that let the viewer experience new environments.

Esther Horn uses to create imaginary landscapes too. As a painter, she turns on bright color field on her dark canvases, which provide lit stages for the embodiment of her nocturnal visions. Even though many of her paintings seem to reproduce frames from mysterious road movies, the relationship of her work with cinema goes beyond the choice of the subject matter. Indeed, the movie theater itself is the place where the screen faces the dark space of the audience, making the contrast between optical and haptic experience clearly visible. Some of Esther Horn’s first paintings, depicting landscapes inlayed in the inner part of a camping tent, show a metaphor of the combination of screen and place of vision, image and space that has been developed into wall drawings and installation through the cooperation with Christian Heilig.

Mean Shadow of a God, the project designed by artists specifically for the DAC, is just an emblematic demonstration of the expressive potential of moving from immaterial imagery to reality and of the clash of optical and haptic space. Light is expressive once again the means of a phantasmagoria of shapes, distorted and broken by the projection on the venue walls. The dramatic force of such actualized images suggests the sharp shapes painted by Walter Reimann and Walter Röhrig on the set of the famous expressionist film Das Kabinett des Doktor Caligari (R. Wiene, 1920) while depicting light and shadows directly on the props. If (it) now made sense to talk about the phenomenology of styles as at that time did, the work of Christian Heilig and Esther Horn would be an exemplary witness of our time in a hypothetical survey of expressive forms.

Massimo Palazzi